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Einleitung/Besprechung: Die in der Gegenwart spielende Fantasy-Serie basiert auf dem erfolgreichen, gleichnamigen Roman des gebürtigen Briten Neil Gaiman, der nicht nur Bücher-, sondern auch Comicfans ein Begriff sein dürfte.

 

Ohne zu spoilern, könnte man die Handlung zusammenfassen in: Alte Götterwelt gegen neue Götterwelt und wer von beiden trickst am besten - die müden, abgeklärten Alten oder die energiegeladenen Newcomer?

 

Den Zuschauer erwartet jedenfalls eine erstaunlich freizügige US-Serie, mit reichlich Blut, Sex und Gewalt - inklusive makaberem Witz und äußerst "schrägen" Highlights. Ich denke da an eine Folge mit Peter Stormare, aber mehr wird nicht verraten.

 

Einer der Hauptakteure in AMERICAN GODS ist der Himmels-, Kriegs- und Totengott Odin. Natürlich in menschlicher Gestalt. Und da der nun mal aus dem kalten Norden stammt, weit mehr als tausend Jährchen auf dem Buckel und so einiges an menschlicher Dummheit gesehen hat, trägt er in der Serie gern ein warmes Wollmäntelchen, hat faltentechnisch bereits bessere Zeiten erlebt und agiert oftmals wie ein Kleinkrimineller erster Güte.

 

Das tut der Sympathie jedoch keinen Abbruch, denn der irischstämmige Schauspieler Ian McShane (zarte 70+) ist wie gemacht für diese Rolle und verleiht ihr die nötige Präsenz – herrlich lakonisch und schwarzhumorig. Doch damit sind wir auch schon beim ersten Knackpunkt angelangt, der mich persönlich drei Prozentpunkte von 101 abziehen lässt, denn: Die meisten Darsteller in AMERICAN GODS sind überraschend gut gecastet und überzeugen flächendeckend, bis auf … ja bis auf den jungen Helden des Ganzen.

 

Ricky Whittle, alias Ex-Knacki "Shadow Moon", macht zwar einen sympathischen Eindruck, agiert solide und lässt angesichts seines Sixpacks Frauenherzen höher schlagen, aber im Gegensatz zu zahlreichen anderen Darstellern wirkt er auf Dauer irgendwie blass. Eine Winzigkeit fehlt. Ich würde sagen, man nennt es das "ultimative Fünkchen Charisma". Und letzteres hat bekanntlich nicht unbedingt mit dem perfekten Äußeren zu tun.

 

Das genaue Gegenteil, nämlich Ausstrahlung bis zum Abwinken, sehe ich dafür bei Pablo Schreiber, dem Halbbruder von Hollywoodstar Liv Schreiber. Eine echtes Highlight mit ungeheurer Kamerawirkung. Der 39-jährige Kanadier mimt einen hühnenhaften Leprechaun (Kobold) mit Namen "Mad Sweeney" und spielt seine Kollegen, ausgenommen vielleicht Ian McShane, schlichtweg an die Wand. Feuer in den Augen, sag ich da nur.

 

Neben der überwiegend überzeugenden Mannschaft glänzt die Serie vor allem durch die beeindruckende Bildsprache. Fantasievoll kreierte, professionell umgesetzte Visual Effects geben sich die Klinke in die Hand. Auf mich wirkt die Bilderflut hier und da einen Tick zu pathetisch und der harte Kontrast, der jeden Minipickel der Darsteller wie ein ausgewachsenes Furunkel erscheinen lässt, lenkt gelegentlich das Auge vom Wesentlichen ab. Nichtsdestotrotz, Chapeau! Hervorragend gemacht für eine TV-Serie. Derartige Bilderstürme kennt man für gewöhnlich allenfalls aus sagenhaft teuren Kinoproduktionen. Dementsprechend wurden die Effekte (Cinesite) im Jahr 2017 mit einer Emmy-Nominierung belohnt.

 

Persönliches Fazit:  Trotz der genannten kleinen Schwachstellen stellt AMERICAN GODS eine der besten, innovativsten Serien des Jahres 2017 dar. Ich freue mich bereits auf die geplante zweite Staffel. Wer etwas anderes als Mainstream und einen visuellen Kracher der besonderen Art sucht, ist vermutlich hervorragend bedient.

 

Bewertung: 4,5 von 5 Sternen