TOP / JOHN WICK / Action (Teil1)



Einleitung/Besprechung: Im Film geht es um John Wick (Keanu Reeves), seines Zeichens junger Witwer und berühmt-berüchtigter Profikiller im Ruhestand. Wobei die über alles geliebte Frau ausnahmsweise nicht von irgendwelchen bösen Buben ermordet wurde, sondern einer tödlichen Krankheit zum Opfer fiel. Ihr letztes Präsent (und Vermächtnis) an den Liebsten: ein kleines Beagle-Mädchen mit Namen Daisy. Und genau diesem Hund passiert bei einem Überfall auf Wicks Haus das, was der Fau nicht passiert ist. Grund genug für Mr. Wick, auf den Ruhestand zu pfeifen und unerbittlich - einem Mähdrescher gleich - Rache zu nehmen. Und die Liste der Gegner ist lang, bis hin zum Sohn des Chefs eines russischen Verbrechersyndikats … :-)

 

Erst einmal: Actionstreifen gibt es viele und den üblichen Basic Plot kennen wir alle: Eine einsame Heldengestalt (meist männlich) kämpft sich heroisch durch eine Entführungs- oder Rachestory. Kind tot, Frau in Fesseln, Opa zu Unrecht im Knast. Und plötzlich mutieren selbst harmlose Postboten oder kopflastige Wissenschaftler zu wahren Superhelden. Das sie bereits vorher aussehen, wie frisch aus dem Hochleistungs-Fitnessstudio entlaufen, nimmt mancher Zuschauer gern in Kauf. Hauptsache, die Herren werfen im Verlauf des Films ihr trostloses Cordsakko ab, zeigen Tank Top, Bizeps plus Trizeps, und überleben das Ende siegreich. Nicht selten völlig durchlöchert, aber immer noch stehtauglich. Variante "B" des Action-Mainstreams ist ähnlich gestrickt, nur das hier ein verwahrloster Ex-Cop / Agent / Marine binnen weniger Tage vom depressiven bzw. suchtgebeutelten Vollzeitwrack zum "Hero of the Year" aufsteigt. Und ja, das alles kann ganz nett sein, falls eine Portion Selbstironie mitschwingt. Doch wenn diese Prise Humor fehlt, geht die Sache schnell nach hinten los. Und langweilt spätestens ab Minute 12. Vor allem dann, wenn das Drehbuch keinerlei Windungen aufweist und man allenfalls zusehen darf, wie diese Mogelpakete jeden - aber auch wirklich jeden - fiesen Kugelhagel überstehen. Von ihren plötzlich aufflammenden Kampfkünsten a lá Jet Li ganz zu schweigen.

Mich ereilt bei solchen Werken regelmäßig der trostlose Moment, in dem ich mich frage: Was für ein unglaubwürdiger Nonsens ist das schon wieder?

Und Nonsens ist auch JOHN WICK - mit einem Unterschied: Hier ist der Nonsens Programm. Durchgängig! Keine elend langen Rückblenden auf nette Grillabende mit der einstmals heilen Familie oder Einblicke in das verwahrloste Appartement der zukünftigen Lichtgestalt. Nein, bei JOHN WICK wird nach kurzer Einführung geballert bis zum Abwinken und gar nicht erst versucht, das Ganze so aussehen zu lassen, als ob man(n) so etwas WIRKLICH überleben könnte. Zudem ist der Held diesmal kein No-Name-Bläßling, der eine Express-Metamorphose durchläuft, sondern ein berühmt-berüchtigter Auftragskiller. Und was für einer! Selten hat einem Darsteller der maßgeschneiderte Anzug so gut gestanden wie Keanu.

"Aber die ganze Gewalt, hunderte Tote, und dann noch für ein Hündchen ...", werden nun die empfindsameren Naturen hauchen.

Ja, JOHN WICK ist eine wahre Gewaltorgie, aber eben auf eine Art, die nicht krampfhaft irgendeine Pseudo-Realitätsnähe beschwört! Selbst das klassische "Gut siegt über Böse"-Motiv (von dem man vordergründig denken könnte, es existiert) fällt flach. Schließlich pflegt Wick einen angenehm luxuriösen Lebensstil und es scheint nicht so, als hätte ihm dessen Finanzierung jemals ein ernsthaft schlechtes Gewissen bereitet.

Zudem punktet die Story mit heiteren Abstrusitäten wie einem luxuriösen Killer-Hotel (inklusive strengem Verhaltenskodex) und netten Gimmicks wie wertvollen Schuldmünzen. Hinzu kommt die gekonnte Choreografie der Gewaltszenen, die dem Ganzen zusätzlich einen - ich wage es zu sagen - angenehm künstlerischen Anstrich verleiht.

Vielleicht beruht die gekonnte Gesamtkomposition darauf, dass es sich bei den Regisseuren um ehemalige Stuntmen handelt, und die Verfilmung auf einer Comicvorlage basiert. Und in diesen Bilderheftchen, das dürfte mittlerweile klar sein, steckt oftmals ein hoher Unterhaltungswert. Zumindest höher als in so manchen flachen Original-Drehbüchern, die allenfalls darauf abzielen, die verkappten Macho-Träume irgendwelcher frustrierter Couch-Potatos zu befriedigen - mittels der bereits genannten, zwanghaften Pseudo-Realitätsnähe.

 

Persönliches Fazit: JOHN WICK ist ein echtes Action-Highlight, das besonderen Spaß macht, weil es sich selbst nicht ernst nimmt! Teil 2 steht dem Vorgänger im Übrigen in Nichts nach. Auch hier lohnt das Ansehen.

 

Bewertung: 5,9 von 5 Sternen - absolut sehenswert! :-D