STERNENRING


Titel: Sternenring

Autor: Alexander Kühl

Verlag: Independently published

Formate: E-Book, Taschenbuch

Genre: Science Fiction

 

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Klappentext:

 

Was wäre, wenn der Nationalsozialismus nur ein Test gewesen ist, ein Test, um auszuprobieren, wie weit man gehen kann?

Mit diesen Gedanken quält sich Alex Carter, Vize-Präsident der Umweltorganisation Blue Planet, als er mit seinem Team durch Zufall in der Antarktis auf ein verlassenes deutsches Forschungslabor trifft. Alles weist darauf hin, dass deutsche Wissenschaftler dort während des Zweiten Weltkrieges Experimente durchgeführt haben. Die Männer finden ein Tagebuch, aus dem hervorgeht, dass Hitler-Deutschland im Besitz einer fürchterlichen Waffe war, die sogar in unserer Zeit alles in den Schatten stellen würde. Warum aber hielten die Wissenschaftler ihre Erfindung zurück?

Das Tagebuch gibt nicht nur darauf Antworten, es führt die Forscher auch zu einer Kinderzeichnung aus den Siebzigerjahren, die eine Münze mit einem Sternenring darstellt. Nach weiteren Recherchen stellen sie mit Schrecken fest, welcher Grundstein für die nahe Zukunft gelegt wurde. Ein Dritter Weltkrieg, der das Ende der Menschheit bedeuten könnte.

 

Leseprobe:

 

Die Propeller dröhnten und die Wände vibrierten. Dicht gedrängt, mit unseren Waffen im Anschlag, warteten wir darauf, dass die Hubschrauber zur Landung ansetzten. Die Deutschen in der Militärbasis hatten uns die Geschichte von den 1.000 gefangenen Soldaten abgekauft und erwarteten uns. Peter Hansen meldete nach Reykjavik, dass der erste Offizier Kellmann bei den Kampfhandlungen getötet worden wäre. Damit war er der ranghöchste Offizier und für die Gefangenübergabe an seinen Vorgesetzten Major Helmut Aufhäuser in Reykjavik zuständig.

Ich blickte aus dem runden Fenster hinter mir und sah Island. Plötzlich ertönte über die Kopfhörer in den Helmen die Stimme Peter Hansens: «Kameraden! Wenn wir den Krieg gewinnen wollen, müssen wir zunächst die uns vorliegende Schlacht gewinnen. In circa fünf Minuten werden wir den Militärstützpunkt der Nordstaaten auf Island erreichen. Wenn wir das Feuer eröffnen, werden automatisch Kampfroboter, die am Boden stationiert sind, aktiviert. Diese sind so programmiert, dass sie ihre Waffen nicht gegen germanische Soldaten abfeuern können. Das funktioniert wegen einem Chip, der jedem Soldaten eingepflanzt wurde, um Unfälle durch Kampfroboter zu vermeiden. Der Chip aktiviert bei den Robotern eine Sperre, sobald sie auf germanische Soldaten treffen. Ihr müsst genau in die Augen zielen, denn dort sind sie am verwundbarsten. Sie werden irritiert sein, weil sie von den eigenen Leuten angegriffen werden. Diese kurze Phase der Irritation müssen wir nutzen. Wir müssen schnell und leider auch aggressiv vorgehen. Ich werde mit meiner Sondereingreiftruppe und der Spezialeinheit der freien Nationen sofort die Zentrale des Stützpunktes angreifen. Wenn wir Major Helmut Aufhäuser unter Arrest gestellt haben, werde ich unseren Kameraden befehlen, die Waffen niederzustrecken. Ich vermute, dass diejenigen mit skandinavischen Wurzeln auf diesen Befehl bereits warten und ihn freudig ausführen werden. Wir müssen alle Seite an Seite zusammenstehen und kämpfen wie nie eine Armee zuvor. Wir haben nur diese eine Chance. Wenn wir scheitern, werden dies alle mit dem Leben bezahlen. Also Männer, es geht los!«

Nach diesen Worten steckte mir der sprichwörtliche Kloß im Hals. Wahrscheinlich ging es meinen Kameraden genauso. Aber für so etwas blieb keine Zeit mehr, denn ich sah aus dem Fenster hinter mir und erkannte im Morgengrauen schon das hell erleuchtete Flugfeld der Militärbasis.

Plötzlich ging es Schlag auf Schlag. Während des Landeanflugs fuhren die Landeklappen runter und die ersten Soldaten sprangen auf das Gelände. Die am Boden stationierten Soldaten kamen ihnen entgegen, um die Gefangenen zu übernehmen. Sie bewegten sich aufeinander zu, ohne dass ein Schuss fiel. Als dann die ersten Soldaten der freien Nationen isländischen Boden betraten und Schneiders Bodentruppen merkten, dass diese bewaffnet und überhaupt nicht im Gewahrsam waren, gingen sofort Sirenen los, riesige Scheinwerfer sprangen an und die Gegenseite eröffnete das Feuer. Kampfroboter tauchten auf und begannen sofort zu schießen. Ihr Aussehen war angsteinflößend. Sie waren komplett mit Chrom überzogen. Statt der linken Hand hatten sie eine Feuerwaffe mit Laserprojektil. Ihre Augen bestanden aus einer Art Kollektoren, die rot leuchteten. Die Roboter bildeten eine Reihe und kamen direkt auf uns zu. Wie exakt sie die Richtung ausmachten und uns in Visier nahmen, war erschreckend.

Mit Entsetzen beobachtete ich, wie sich beim unaufhörlichen Näherkommen die Lichtpunkte ihrer Laserprojektile an den Körpern und Köpfen meiner Kameraden bündelten. Viele wurden durch gezielte Kopfschüsse oder Schüsse ins Herz tödlich verwundet. Die Kameraden fielen um wie die Fliegen. Einer von uns übergab sich, als der Kopf seines Nebenmannes regelrecht zerplatzte. Soldaten wurden förmlich auseinandergesprengt. Gliedmaße wurden regelrecht abgeschossen. Blut spritzte durch die Luft und besudelte die kämpfenden Kameraden. Innereien  und Körperteile schossen durch die Gegend. Verwundete schrien sich die Seele aus dem Leib. Endlich eröffneten unsere neuen Verbündeten das Feuer gegen die Kampfroboter und ihre ehemaligen Kameraden. Völlig perplex und mit erschrockenem Gesichtsausdruck sackten viele der germanischen Soldaten tödlich getroffen in sich zusammen. Andere verschanzten sich hinter Kampfhubschraubern, um den präzisen, tödlichen Schüssen zu entgehen. Morten und ich taten es ihnen gleich, indem wir hinter einem Jeep Deckung suchten. Ich war von der Präzision der Waffen sehr beeindruckt.

»Jeder Schuss ein Treffer«, flüsterte ich und Morten nickte mir, etwas blass im Gesicht, zu.

Ab und zu versuchte ich, einen Blick auf die Lagerhallen und das hintere Gebäude des Stützpunktes zu erhaschen. Es war beklemmend zu beobachten, dass Kameraden, mit denen ich vor Stunden noch marschiert war, wie Vieh abgeschlachtet wurden. Kurzzeitig hatte ich das Gefühl, dass unsere Mission bereits jetzt gescheitert war und wir alle sterben würden. Doch dann keimte in mir wieder Hoffnung auf, als ich sah, wie Peter Hansen mit dem Spezialtrupp im Rücken gegen die Kampfroboter gnadenlos vorging und sich Meter für Meter vorkämpfte. Ein Kampfroboter nach dem anderen sackte qualmend zu Boden. Die Roboter schienen gegen ihre ›vermeintlichen Kameraden‹ chancenlos. Wir hatten sie ausgetrickst. Umso härter gingen dafür diese mechanischen Killer gegen die anderen Soldaten vor. Diesen Tötungsmaschinen hatten wir nichts entgegenzusetzen. Dann hatte ich das Gefühl, meinen ganzen Mut zusammennehmen zu müssen. Mit schussbereitem Gewehr stand ich endlich auf, um in die Kampfhandlungen einzugreifen. Doch ich hatte mich genau vor einem Kampfroboter aufgebaut. Dieser schlug mir in Sekundenschnelle meine Feuerwaffe aus den Händen. Kälte begegnete mir, als ich in seine Augen blickte und spürte, dass er mir jeden Augenblick mein Lebenslicht auspusten würde.

Im Angesicht des Todes schien es, als verginge jede Sekunde so langsam wie eine halbe Ewigkeit. Ich spürte, wie mir trotz der Eiseskälte eine Schweißperle über die Stirn lief. Plötzlich sah ich, dass Morten sich in dem Moment, als der Kampfroboter seine Feuerwaffe aktivierte, auf die Maschine stürzte und den Schuss mit seinem Körper abfing. Regungslos blieb Morten auf dem Roboter liegen. Der befreite sich, indem er Morten an den Schultern packte und ihn mit voller Wucht auf den Boden knallte. Mit einem lauten Schrei hechtete ich hinüber, griff meine Feuerwaffe, richtete diese auf den Kopf des Roboters und entleerte das komplette Magazin. Zuckend fiel er zu Boden und gelber Qualm, der nach Schwefel stank, trat aus den Stellen aus, in denen vor Kurzem noch die Augen gewesen waren. Ich beugte mich über Morten und versuchte, seine Atmung auszumachen, aber ich konnte nichts hören. Ich versuchte, seinen Puls zu fühlen, doch es war nichts zu spüren. Es war nicht wie in den theatralischen amerikanischen Kriegsfilmen, die man im Historical Cine sehen konnte, in denen die Kameraden noch schlaue Reden hielten, sich bewegend verabschiedeten und dann starben. Vielleicht war das noch das Menschliche an diesen Kampfrobotern, ihre tödliche Präzision, die einem das Leiden ersparte.

Morten war sofort tot gewesen. Ich hatte nicht die Möglichkeit, Lebwohl zu sagen. Er hatte sein Leben geopfert, um meines zu retten. Vor Kummer und Zorn trat ich immer wieder gegen den stählernen Schädel des Roboters. Ich bemerkte, dass sich mehrere Kampfroboter auf mich zu bewegten. So wechselte ich schnell das Magazin meiner Waffe aus und fing an, wie in Trance auf alles zu schießen, was sich bewegte. Ich spürte unendlichen Hass, zielte auf die Schädel der Roboter, die qualmend nacheinander zu Boden fielen. Aus dem Augenwinkel nahm ich das totale Chaos wahr, das in ein wahres Gemetzel ausartete. Ich beobachtete, wie sich germanische Soldaten gegenseitig förmlich abschlachteten. Ich sah aber auch, wie feindliche Soldaten mit erhobenen Händen aus den Gebäuden kamen und dann teilweise von den eigenen Kameraden mit Schüssen in den Hinterkopf getötet wurden. Diese Bilder lösten in mir Irritation und Hass aus. Kurz dachte ich daran, dass sich hier Menschen gegenseitig töteten, weil eine Person der ganzen Welt seine Anschauungen aufzwingen wollte. Die Opferzahlen mussten auf beiden Seiten bereits bedrückend hoch sein.

Ich wusste nicht, wie viele Stunden vergangen waren, als unter gewaltigem Getöse die restlichen Soldaten vom Stützpunkt aus Grönland als Unterstützung erschienen. Da bereits die Dämmerung wiedereinsetzte, wurde mir klar, dass das Ganze schon viel zu lange gedauert hatte. Die Kampfhubschrauber nahmen sofort die Hallen und den Tower der Basis unter Beschuss. Ungehindert nahmen sich die Soldaten Gebäude für Gebäude vor. Fensterscheiben zersplitterten, Mauern barsten und Trümmer fielen auf feindliche Soldaten. Explosionen erschütterten den Boden, sodass ich mich instinktiv fallen ließ.

Als ich voller Entsetzen die verschiedenen Brandherde beobachtete, ertönte über meine Kopfhörer die lang ersehnte Durchsage Peter Hansens: »Hier spricht euer Kamerad Peter Hansen! Unser Befehlshaber General Aufhäuser ist im Kampf gefallen. Das Kommando auf diesem Stützpunkt habe ich übernommen. Ich befehlige nun die komplette 201. Armee. Mein Befehl lautet: FEUER EINSTELLEN!« Es hallte durch die Kopfhörer und immer wieder wiederholte Hansen die Botschaft: »Feuer einstellen! Hier spricht Peter Hansen. Truppen der freien Nationen haben sich mit uns verbündet! Feuer einstellen! Nicht auf die verbündeten Truppen schießen. Eliminiert die Kampfroboter!«