DAS DUNKLE REICH: EIN FANTASYROMAN


Titel: Das dunkle Reich: Ein Fantasyroman

Genre: Fantasy

Autor: Darius Dreiblum

Formate: E-Book, Taschenbuch

Verlag: Independently published

 

Link zu AMAZON


Klappentext:

 

Beim Kampf um das Überleben seiner Geliebten und das der gesamten Menschheit taucht Devius in eine Welt des Vergessens und der Dunkelheit ein, die von mystischen dunklen Göttinnen beherrscht wird. Eine Parallelwelt zu der unseren. Verborgen hinter dunklen Spiegeln. Dabei muss er gegen seinen niedrigsten Instinkte und gegen eine Übermacht von finsteren Geschöpfen, die Krieger der dunklen Horden, kämpfen. Wird seine Liebe zu Clarissa stark genug sein, um seine Feinde zu besiegen und sie zu befreien? Oder werden sie beide Opfer der finsteren Verlockungen werden und auf ewig in der Dunkelheit aufgehen?  

 

 

Leseprobe: 

 

Ihre Großmutter besaß eine sehr große Sammlung alter Bücher, die in einer kleinen Bibliothek in der Nähe des Wohnzimmers untergebracht waren. Viele Jahre lang las Rosemarie ihrer Enkelin jeden Abend eine Geschichte aus einem dieser Bücher vor. Am liebsten mochte Clarissa altertümliche Sagen. Bis heute hielt diese Vorliebe für das geschriebene Wort bei ihr an und es verging kein Tag, an dem sie nicht zumindest ein Kapitel in einem ihrer Bücher las und keine Woche, in der sie nicht nach neuem Lesematerial in der örtlichen Buchhandlung oder Bibliothek suchte.

Rosemarie Mandel sammelte aber nicht nur alte Bücher, sondern liebte auch alte Möbel und alte Bilder. Daher fühlte man sich, sobald man das Haus betrat, fast in das frühe vorige Jahrhundert zurückversetzt. Es roch in dem Haus aber keinesfalls muffig, sondern sehr angenehm nach verschiedenen alten Hölzern.

Nachdem Clarissa eingetreten war, machte sie sich in der kleinen Küche erst einmal einen Kaffee und überlegte, wo sie mit der Suche nach dem Amulett anfangen sollte. Sie entschied sich nach kurzem Überlegen, oben im Schlafzimmer zu beginnen und sich dann langsam von Raum zu Raum vor zu arbeiten. Aber das Amulett war nirgends zu finden. Ihr fiel allerdings bei ihrer Suche auf, dass es im ganzen Haus keinen Spiegel mehr gab. Selbst im Badezimmer nicht. Jetzt blieb nur noch der Keller. Der Keller von Rosemarie Mandels Haus wäre eine Fundgrube für jeden Sammler gewesen. Dort hatte Clarissas Großmutter all die Schätze untergebracht, die nicht mehr in das übrige Haus passten. Und scheinbar war Rosemarie kurz vor ihrem Schlaganfall hier unten gewesen, denn auf dem Schreibtisch, der hier inmitten der sich im Laufe der Jahre angesammelten Dinge stand, lagen zwei aufgeschlagene Bücher und diverse Zettel mit der Handschrift ihrer Großmutter. Es war eigentlich nicht Rosemaries Mandels Art,  Bücher offen herumliegen zu lassen. Daher vermutete Clarissa, dass sie nicht mehr dazu kam, sie ordentlich wegzuräumen.

Vielleicht hatte sie gerade in den Büchern gelesen, als sie spürte, dass irgendetwas mit ihr nicht stimmte. Gegebenenfalls wollte sie dann schnell die Treppe hinauf steigen, um das Telefon im Erdgeschoss zu erreichen. Auf den Weg dorthin war sie vielleicht hingefallen und hatte ihr Amulett verloren. Ja, so könnte es gewesen sein.

Clarissa entschied sich allerdings zuerst kurz Pause zu machen und sich die Bücher näher anzuschauen, die ihre Großmutter studiert hatte. Ihre Suche nach dem Amulett wollte sie gleich wieder fortsetzen. Das eine Buch behandelte die Theogonie von Hesiod und dort vor allem die Urgötter in der griechischen Mythologie. Aufgeschlagen war das Kapitel das Nyx, der Göttin der Nacht und Herrscherin der Dunkelheit gewidmet war. Das andere Buch war auf Altgriechisch geschrieben und hatte nach den Notizen ihrer Großmutter zu urteilen Spiegel als Symbol für den Einblick in die Seele und den Weg in andere Welten zum Thema.

Seltsam, dachte Clarissa, waren vielleicht deswegen alle Spiegel hier im Haus entfernt worden? Nun wollte sie aber ihre Suche fortsetzen. Zuerst nahm Clarissa wie geplant die Kellertreppe in Augenschein und suchte dort sehr genau nach dem Amulett, konnte aber wieder nichts finden. Dann begutachtete sie nach und nach alle zugänglichen Bereiche des Kellers, war aber weiterhin erfolglos.

Langsam machte sich eine finstere Verzweiflung in ihr breit. Wenn ihre Großmutter so viel Wert auf das Wiedererlangen des Amuletts legte, hing möglicherweise wirklich ihr Leben davon ab. Manche Menschen entwickelten, wenn sie älter wurden, seltsame Ideen, ja sogar Wahnideen. Vielleicht war das bei Ihrer Großmutter seit Kurzem auch der Fall. Das mit dem Fehlen der Spiegel war schon sehr ungewöhnlich, aber auch wie eindringlich sie Clarissa mit Blicken aufgefordert hatte, das Amulett zu suchen und ihr zu bringen, war etwas seltsam.

So wie es schien, hatte Rosemarie Mandel das Amulett allerdings nicht in ihrem Haus verloren. Womöglich wurde es ihr ja auch von irgendjemand gestohlen. Ziemlich enttäuscht von der erfolglosen Suche, entschied sich die junge Frau, wieder zurück zum Krankenhaus zu gehen und ihrer Großmutter von dem Misserfolg zu berichten.

Als Clarissa nun langsam und deprimiert die Treppenstufen hinauf in das Erdgeschoss des Hauses stieg, fiel ihr auf einmal ein kleiner Lichtstrahl ins Auge. Zuerst wollte sie einfach weitergehen, ohne ihn zu beachten. Aber dann besann sie sich doch anders. Sie ging ein Stück zurück und wiederholte die Bewegung nochmals. Tatsächlich fiel dieser Lichtstrahl wieder in ihr Auge. Jetzt sah sie auch, woher die Reflexion kam. Von unter dem Gitter der Abflussöffnung, nicht weit vom Treppenabgang entfernt, reflektierte irgendetwas das Sonnenlicht, das gerade begann durch das Kellerfenster zu scheinen.

Voll neuer Hoffnung begab sich Clarissa nun zu dem Abfluss und schaute ihn sich genauer an. Tatsächlich hing dort etwas Glänzendes an einer kleinen goldenen Kette, die nur noch von einen winzigen Stück Ast gehalten wurde. Voller Eile holte sie eine lange Pinzette aus dem Badezimmer ihrer Großmutter. Jetzt versuchte sie die goldene Kette zu erreichen und mitsamt dem Schmuckstück daran zu sich zu ziehen. Da merkte sie aber, wie ihre Hand voller Aufregung zitterte und die Kette drohte von der Kanalisation und ihrer undurchdringlichen Schwärze verschluckt zu werden.

Clarissa schloss die Augen und atmete ein paar Mal tief ein und aus. Das half.

Als sie nun die Augen wieder öffnete, gelang es ihr mit ruhigen und äußerst geschickten Fingern das Schmuckstück zu bergen. Natürlich war sie überglücklich über ihren Erfolg. Nun konnte ja nichts mehr schiefgehen. Clarissa war sich sicher, dass ihre Großmutter hocherfreut sein würde, wenn sie ihr das Amulett brachte. Sie säuberte sowohl das Amulett als auch die Kette im Waschbecken in der Küche und trocknete dann Beides sorgfältig ab.

Erst hatte sie vor, es sofort in ihre Handtasche zu legen, aber dann übermannte sie doch die Neugier und schaute sie sich das Schmuckstück genauer an. In der Mitte des Amuletts war ein durchsichtiger Stein mit goldenen nadelförmigen Einschlüssen befestigt, der sobald sie ihn berührte auf eine unerklärliche Art und Weise ein sanftes Leuchten von sich gab. Das Leuchten des Steines fesselte. Clarissas Blick und ließ sie spüren, warum das Amulett so wichtig für ihre Großmutter war. Darin schien eine unglaubliche Kraft verborgen zu sein, die darauf drängte nach draußen zu gelangen ...