Raul Brscinski, Serienkiller


Autor:  Damon Whitehead

Genre: Mystery, Horror

Format: E-Book, Taschenbuch (356 Seiten)

 

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E-Book: Amazon, Thalia, Hugendubel, bod, Weltbild

Taschenbuch: bod, Amazon, Thalia, Hugendubel, Weltbild

 


Klappentext:

 

Man sagt, das Institut existiere seit Anbeginn der Zeit, aber niemand weiß Genaues ...

 

Raul Brscinski liebt das Töten. Und dabei ist er nicht allein. Begleitet von seinem fiktiven Freund Jack, der den unschuldigen Jungen einstmals lehrte, zu tun, was ein Serienmörder nun mal tun muss, verliert er sich mehr und mehr in einen blutigen Rausch. Den Leser erwartet eine mysteriöse, gnadenlose Reise - vom liebenswerten Kind zum eiskalten Killer.

 

Mystery-Horror, gepaart mit schwarzem Humor - fantasievoll, brutal und makaber - ein echter Damon Whitehead.

Leseprobe:

 

Die rote Neonreklame, die langsam an den Scheiben des einfahrenden Regionalzuges vorbeizog, wirkte wenig einladend. Aber es schien das einzig preiswerte Hotel in der Nähe zu sein.

»Da, sieh mal das Schild. Günstige Preise, auch für Backpacker.«, sagte der eine, Ollie genannt. »Geile Sache! Komm, wir steigen aus und checken ein. Die haben bestimmt Frühstück für uns. Und wenn’s nur aus dem Automaten ist.«

»Jetzt? Um die Zeit?« Den zweiten Reisenden, Reini, überkamen Bedenken.

Eigentlich wäre er viel lieber zu Hause, im eigenen Bett. Aber sein Kumpel Ollie hatte ihn zu einer Tour überredet. Quer durch Deutschland. Und nun waren sie an diesem gottverlassenen Kaff gelandet. Noch dazu zu einer unmöglichen Uhrzeit.

»Na los. Pack dein Zeug«, drängte Ollie. »Nachsehen schadet nix. Oder? Wir müssen ohnehin pausieren, bis ich meinen Alten angerufen hab. Ohne Euronen kein Deutschlandtrip.«

Wenige Augenblicke später standen sie auf dem zugigen Gleis und Reini fand bereits den Bahnhof mir den herumlungernden Dealern, Junkies und halbseidenen Gestalten alles andere als geil. Die ätzende Bahnhofsgegend flößte ihm mehr als nur Angst und Unbehagen ein. Eine Minute nach dem Verlassen des Zuges, quatschte man sie bereits an. Irgendwelche Wichser versuchten, ihnen Speed und so´n Scheiß zu verkaufen.

»Vorzügliche Ware, das beste Zeug der ganzen Gegend.«

Reini hasste diesen Kack, aber Ollie konnte sich kaum loseisen. Glücklicherweise fehlten die besagten Euronen. Ihr Geld reichte gerade noch für ein Frühstück und, mit viel Glück, für eine abgewrackte Bleibe wie die hier.

Wär ich bloß daheim geblieben, dachte Reini erneut voller Wehmut. Er rückte den überdimensionalen Rucksack zurecht und gemeinsam spazierten sie in Richtung des nahe gelegenen Hotels.

»Oh Mann, was für coole Graffitis«, rief Ollie begeistert.

Reini zögerte, doch als sein Freund etwas später im Innern des maroden Gebäudes verschwand, war er ihm dicht auf den Fersen. Allein die Vorstellung, das Hotel zu betreten, ekelte Reini an. Nur, was blieb ihm übrig? Sein Kumpel gab den Ton an und er spurte. So war es immer schon gewesen. Auch in der Schule. Schließlich war Ollie derjenige, der die Reise sponserte und mit Kohle um sich werfen konnte. Bei derart reichen Eltern kaum verwunderlich.

»Los, komm schon rein!«, tönte es begeistert von drinnen. »Echt abgefahren hier.«

Der Angesprochene verzog missmutig das Gesicht, betätigte die schmierige Klinke und trat ein.

Heiliger Schimmel! Das war ja noch schlimmer, als gedacht. Wenn einen schon nicht der allgegenwärtige Verfall, die abblätternde Wandfarbe, die versifften Tapeten und ekligen Möbel aus diesem Obdachlosenasyl vertreiben konnten, dann in jedem Fall der Gestank!

Doch Ollie stand bereits ungerührt am Tresen und grinste wie ein dauergewelltes Einhorn. »Geil hier, was?«

Reini kniff sich mit zwei Fingern zwischen die Augen und schubberte demonstrativ an seiner Nasenwurzel, als bedürfe sie dringend einer Abreibung. Wieso fand Ollie bloß alles Abartige, Abseitige und Abnormale derart geil?

»Hey, siehst du das? Abgefahren! Eine Klingel! Aus `ner Fahrradklingel. Wie geil ist das denn?«

Auf dem Weg zur himmlischen Geilheit eine glatte 10, dachte Reini genervt.

»Du musst mich fotografieren!«

»Was?«

»Ja, jetzt! Das iss der Hammer. So ein Ding bastel ich mir zu Hause auch. Los, mach Fotos.«

Reini starrte auf die Klingel, als wäre sie ein fremdartiges Insekt. Zögernd fischte er sein Smartphone aus der Tasche, denn er kannte Ollie. Der würde ihm so lange auf die Eier gehen, bis er seinen Willen bekam. Also schoss er ein Foto von dieser seltsamen Fahrradklingel.

»Noch eins. Mit mir!«, verlangte Ollie, reckte strahlend einen Daumen in die Luft, während seine andere Hand die Bimmel hielt. »Ja! Und jetzt noch mal.« Er setzte sich das Ding auf den Kopf. »Noch eins.« Nun streckte er den Oberkörper auf der Theke aus und leckte lasziv am hölzernen Sockel. Klick. Es folgte ein intensiver Kuss auf kaltes Metall. Klick.  Als er die Klingel jedoch  schließlich am Hintern rieb, legte Reini ein entschiedenes Veto ein: »Nein, es reicht!«

»Okay«, gab Ollie nach. »Die posten wir nachher. Erst mal will ich was zu futtern«, verkündete er mit glühenden Wangen.

Voller Begeisterung drückte er die Zunge der Klingel und erzeugte den allseits bekannten Ton. 

Dringdring.

Sie warteten geduldig.

»He, Reini. Zieh nicht so ein Gesicht! Vielleicht haben die hier vollbusige Zimmermädchen. Das wäre geil!«

Reini lief rot an. Er war schüchtern und hatte mit seinen 23 Jahren noch keine einzige Frau flachgelegt.

»Weißte was, Kumpel. Wenn mein Alter die Öcken überwiesen hat, gehen wir beide in den Puff. Dann kannste endlich mal einen wegstecken. Was sagst du dazu?«

Reini schwieg, er hatte die Farbe eines Feuermelders angenommen und war genauso verstockt.

Ollie klingelte ein zweites Mal. »Hallooo«, sagte er zu niemand bestimmten. »Was ist das für ein mieser Service?« Er klopfte auf die Theke und betätige wieder sein neuestes Lieblingsspielzeug. »Hallo! Ist da wer? Hier sind hungrige Mäuler zu stopfen.«

»Lass es. Vielleicht sollten wir lieber ins Bahnhofscafé. Du verärgerst die Leute noch«, warnte Reini und wäre am liebsten sofort hinausgestürmt.

Plötzlich ertönten schwere, dumpfe Schritte.

»Von wegen. Sie werden uns die Füße küssen, denn ich hab immer noch genug Kohle, um das Loch zu kaufen«, prahlte Ollie großspurig. Es schien, als hätte er nun völlig den Verstand verloren. Grinsend nahm er seine Lieblingspose ein: Brust raus, Kinn leicht erhoben, ein Bein angewinkelt und den rechten Arm leger in die Hüfte gestützt. »Das hab ich von Yul Brunner! Cool, oder?«, gab er bei jedweder Gelegenheit zum besten. Doch mit dem Gewicht des Gepäcks auf dem Rücken geriet die Geste diesmal etwas unpräzise, irgendwie verkehrt. Deshalb fiel er Augenblicke später wieder in die übliche Backpackerkörperhaltung zurück, leicht vornübergebeugt.

Reini lauschte währenddessen den Schritten nach. Sie klangen so bestimmt. Wer mochte dahinterstecken? Jemand, den man fürchten musste? Plötzlich überzog eine Gänsehaut seinen Körper. Ähnlich einem Warnruf aus längst vergangener Zeit.

»Ollie ...«, flüsterte Reini ängstlich. »Lass uns gehen.«

»Wie? Was? Hier ist es doch geil. Ich bleibe.«

Die Schritte hatten sie fast erreicht und plötzlich bog ein großer Schatten um die Ecke. Ein Mann mit dichten, wirren Haaren trat in das fahle Licht der Empfangslampe. Reini staunte nicht schlecht. Der Typ schien in roter Farbe gebadet zu haben. Einige Schrammen verunzierten sein nichtssagendes Gesicht.

»Sie sind wohl beim Malern von der Leiter gefallen, was?«, scherzte Ollie.

»Ach das, nein«, antwortete der Andere gelassen. »Ich hab nur ein paar Rumänen abgeschlachtet.« Er blickte ihnen ruhig in die Augen.

Ollie und Reini sahen sich verdutzt an. Dann brachen sie in grölendes Gelächter aus. »Ja, haha, der war gut«, grunzte Ollie zwischen mehreren explosionsartigen Lachsalven hervor. »Rumänen ... abgeschlachtet ...«

»Wirklich zum Totlachen«, bestätigte Reini brabbelnd und das ungute Gefühl war mit einem Mal verschwunden.

»Cool. Den Gag muss ich mir merken.« Besonders Olli kam nur langsam zur Besinnung, aber kurze Zeit später hatten sie den Lachanfall überstanden.

Schließlich fragte er: »Haben Sie ein Zimmer für uns?«

»Raucher oder Nichtraucher?«

»Was meinste, Reini? Wir nehmen Raucher, oder?« Ollie zwinkerte verschwörerisch in die Richtung seines Freundes, der heiter nickte.

»Okay«, entgegnete die Handwerkerniete vor ihnen, zog einen Schlüssel vom Bord und knallte ihn mit einer fixen Bewegung auf die Theke.

»Keine Magnetkarten? Das ist abgefahren. Geil!«

Ollie wollte nach dem Schlüssel greifen, doch der Rezeptionist war schneller. »Ich zeig Ihnen das Zimmer. Dann können Sie auch gleich eine Bestellung aufgeben. Geht aufs Haus. Heute ist ein ausgesprochen guter Tag.«

»Super. Das is ´ne geile Ansage! Sie sind `n dufter Typ. Na, was sag ich? Die Klitsche ist der Hit.«

Ollie grinste und versetzte Reini einen Klaps vor die Brust.

»Folgen Sie mir«, forderte der Typ sie nun auf und ging vor ihnen die Treppe hoch.

Die beiden Freunde taten wie befohlen und mit jeder Stufe gewöhnte sich Reini etwas mehr an den verblichenen Bodenbelag, die vergilbten Tapeten und den sonstigen Verfall.

Wenig später erreichten sie ihr Ziel.

»Das ist ihr Zimmer«, meinte der Besudelte und öffnete die Tür zu Nummer 237.

Ollie drängte sich an dem Subalternen vorbei und betrat als erster den Raum. Er blieb wie angewurzelt stehen, dann brach er erneut in Begeisterungsstürme aus: »Boah, was für ´ne schräge Absteige. Ich krieg mich nicht mehr ein.«

Reini war alles andere als entzückt: »Ist das eklig hier. Dagegen ist der Rest ein Luxushotel! Ollie, komm, lass uns abhauen.«

»Das geht leider nicht«, sagte Raul, zwinkerte Jack vielsagend zu und schloss die Tür hinter sich.

Der Fiktive lächelte und blieb seelenruhig im Flur zurück. Dort lehnte er nasepopelnd an der Wand. Zuzuhören würde ihm diesmal reichen. Er grinste, als der blonde Sunnyboy verstört aufschrie: »Hey, was soll´n das? Was ham Sie vor? Hey! Was woll´n Sie mit dem Messer ... Aaah!«

Dann krachte der erste Körper gegen die Tür.