ZOMBIES AUF MALLORCA - Outtakes:  Der Koala


 

Titel:  ZOMBIES AUF MALLORCA - Outtakes: Der Koala

Autoren: Damon Whitehead, Jutta Wiese

Genre: Science Fiction, Horror

  

Lernt uns kennen!

 

Anbei ein kleines Goodie für alle ZOMBIE-Verrückten!

 

Viel Spaß beim Lesen!

 

Damon & Jutta

 

Hinweis: Selbstverständlich kommt in der Short Story KEIN echter Koala ums Leben! Wir lieben Koalas ... :-)


 

Über die Outtakes:

 

In den OUTTAKES geht es um die Schicksale diverser Protagonisten, die letztendlich nicht in die Hauptbände von ZOMBIES AUF MALLORCA  oder ZOMBIE-KILLER eingebunden wurden - aber trotzdem das Potenzial für eigene, unterhaltsame Short Stories in sich tragen - oftmals gewürzt mit schwarzem Humor. Diese werden in unregelmäßigen Abständen bei Amazon veröffentlicht.

 

Bereits erschienen: ZOMBIES AUF MALLORCA - Outtakes: Mallorca Klaus. Erhältlich als E-Book, inkl. Kindle Unlimted, ca. 46 Seiten.

 

 

Der Koala:

 

DER KOALA stellt ein kleines Outtakes-Goddie dar, mit dem wir sowohl unseren Stammlesern, als auch allen anderen Interessierten eine Freude machen wollen. Kurz, knackig, und ein idealer Einstieg in unsere Zombie-Welten.

 

Die Story selbst schildert die letzten Stunden im Leben des jungen Olli Schubert, der als Plüschtier verkleidet einen Teil seines Lebensunterhalts verdient, indem er auf der Plaza de Espana in Palma de Mallorca Touristen belustigt ... 

 

 

Los geht's:

 

Hätte Ollie Schubert am Abend zuvor weniger getrunken, wäre der folgende Tag womöglich anders verlaufen. Wir wissen es nicht.

Vielleicht hätte er im Bett bleiben sollen, sich ausschlafen. Doch Ollie war notorisch pleite, wie so einige Mallorca-Auswanderer. Deshalb blieb ihm, neben dem Aushilfsjob als Türsteher in der berühmt-berüchtigten Bierhöhle, nichts weiter übrig, als auch tagsüber ein paar Stunden zu arbeiten.

Müde hob er den bleischweren Schädel und kämpfte sich trotz des maroden Zustandes aus dem klebrigen, verschwitzten Bettzeug.

Heilige Makrele, dachte er zermürbt und wankte stöhnend in Richtung Bad. Sein Oberstübchen pochte in Rhythmus eines wild gewordenen Dschungel-Bongos und alle Eingeweide schienen zu schrumpfen, zu wandern oder Hochseilartistik aufzuführen.

Oh Mann, meldete sein Gehirn, besser wieder zurück.

Er schüttelte langsam den Kopf. Geht nicht. Ohne Pinunzen nichts zu funzen ...

Vor dem Bad blieb er keuchend stehen und rüttelte müde an der Tür. Sie war verschlossen. Offensichtlich hatte sein nervtötender Mitbewohner Lars die Nasszelle in alleinigen Beschlag genommen.

Ollie klopfte an das rissige Kunstholz und rief mit schmerzverzerrtem Gesicht: »He! Beeil dich, ich muss zur Arbeit!«

Ein brummendes, röchelndes Stöhnen und dumpfe Schläge, offensichtlich aus der Badewanne, antworteten ihm.

»Ja, du mich auch«, brummte Ollie und schlurfte in die Küche. Er konnte genauso gut schon mal frühstücken, während er auf den Hirni wartete. »Scheiße, was für ein Arsch ...«

Nach einem dünnen Kaffee und einem zwei Tage alten, abgeblätterten Croissant, ging es ihm etwas besser. Das Dschungel-Bongo war verstummt und hatte der Geräuschkulisse eines Großstadtbahnhofs Platz gemacht.

Was soll's? Wenn ich heute einen Berg Kohle einnehme, reicht es in der Apotheke auf jeden Fall für ne LKW-Ladung Aspirin.

Er versuchte darüber zu lächeln, aber ein stechender Schmerz versagte ihm jede aufkeimende Freude.

Die Minuten verrannen, doch Lars bequemte sich auch nach einer Viertelstunde immer noch nicht aus dem Bad.

Ollie ließ ein paar derbe Flüche und Beschimpfungen vom Stapel. Dann stapfte er in die winzige Gästetoilette und absolvierte eine schnelle, sehr oberflächliche Katzenwäsche. 

Wenig später verließ er die gemeinsame Wohnung mit seiner unhandlichen, recht schweren Ausrüstung unter dem Arm. 

»Lars, du bist ein verdammtes Arschloch. Hoffentlich ersäufst du im Bad!«, rief er zum Abschied über die Schulter.

Heftig und lautstark krachte die Tür ins Schloss. Die Wucht des Ereignisses erschütterte das alte Gebäude bis hinab ins Erdgeschoss.

»Ups ...«, murmelte Ollie leicht betreten.

Nun bestanden gute Chancen, weiter unten abgefangen zu werden. Vom ewig mies gelaunten Vermieter, der dort wohnte und ziemlich gerne Standpauken hielt - von wegen Ruhestörung, Vandalismus und Randale.

Ollie seufzte und seine müden Schritte hallten durchs Treppenhaus.

Doch er hatte Glück, denn das Haus wirkte an diesem Vormittag wie ausgestorben.

Sind wohl alle einkaufen oder auffer Arbeit. 

Herzhaft gähnend durchquerte er den langgezogenen Flur, setzte die Sonnenbrille auf und trat in den mittäglichen Sonnenschein. »Meine Fresse, der Planet sticht aber wieder«, murmelte er und bog mit gesenktem Kopf eilig ein nahe gelegenes, schattiges Sträßchen ab. Ein paar hundert Meter weiter lag sein Ziel, die Plaza de Espana.

Tagtäglich wimmelte es dort vor Einheimischer und Touristen und der stark frequentierte Standort hatte ihm schon gutes Geld beschert. Falls er es geschickt anstellte, konnte heute ein prima Tag werden. Schließlich lief die Hochsaison auf vollen Touren. Vielleicht sollte er einige Tanzeinlagen in die gewohnte Performance einbauen. Das mochten die Leute.

Langsam schlurfte er weiter, durch die Altstadt Palma de Mallorcas.

Eigentlich liebte er diese Strecke und bewunderte gern die alten, hoch aufragenden und faszinierend wirkenden Jugendstilfassaden. Doch heute eierte er versonnen daran vorbei, gedanklich bereits intensiv an einer einfachen Choreografie feilend.

Einige Male rempelten er dabei ein paar Passanten an. Oder sie ihn? Egal. Zerstreut murmelte er irgendwelche Entschuldigungen und eilte augenblicklich weiter. Manchmal glaubte er, seltsame Geräusche und sogar Schreie zu hören, doch das schob er auf die Nachwirkungen der hinter ihm liegenden, durchzechten Nacht.

Als er seinen Platz, nahe dem großen Brunnen mit dem Reiterdenkmal von König Jaume (dem soundsovielten ...) erreichte, ging es ihm merklich besser. Die frische Luft und die Gewissheit, mit seiner Darbietung Freude unter den Menschen zu verbreiten, taten ihr übriges.

Ja, Ollie Schubert besaß ein gutes Herz.

Er absolvierte einen flüchtigen Rundumblick und registrierte, dass weniger Passanten unterwegs waren als sonst. Das würde sich sicher schnell ändern. An diesem Ort war eigentlich immer was los!

Lächelnd stellte er den Ghettoblaster ab und stieg in das überdimensionale Koala-Kostüm aus dickem, grauem Plüsch, das er bis hierher getragen hatte.

Bevor er die dazugehörigen, wuchtigen Prankenhandschuhe anlegte, hievte er den imposanten Bärenkopf hoch und befestigte ihn mittels ein paar einfacher, innenseitig liegender Haken. Ollies echter Kopf befand sich darunter, im Brustbereich des Koala-Kostüms..

Seltsam, dachte er plötzlich, es war sogar viel stiller als sonst, zumindest was den Verkehrslärm betraf.

Die nahe gelegene Avinguda de Joan March, eine der Hauptverkehrsadern Palmas, wirke ungewöhnlich leer.

Hatte er etwas verpasst? War die Innenstadt etwa gesperrt? Aufgund eines Unfalls oder einer Kundgebung?

Auf Mallorca war Einiges möglich. Er zuckte mit den Schultern. Egal. The Show must go on.

Mit einem der Plüschfinger, fast so groß wie ein Kinderkopf, hauchte er dem Ghettoblaster Leben ein.

Bei den ersten herausquellenden Tönen musste er grinsen. Ob das auch den Spaniern gefällt?

Ollie begann mit den ausladenden Hüften zu kreisen, dann ruderte er mit den Armen herum, wackelte mit den Schultern, was den Koalakopf über ihm in Bewegung brachte, und versuchte sich schließlich an einem Moonwalk.

Das alles zu den Takten einer eingängigen, mit wummernden Drums unterlegtem Ballermann-Hymne.

 

»Ich bin sexy. Ich bin Mister Liebe, Mann!«, ertönte die näselnde Stumme des wenig begnadeten Sängers mit Namen Mallorca-Klaus.

 

So sexy, so geil.

Das kannst du glauben.

Mach mich an, mach mich an.

Hooohooohooo.

Mach mich an, mach mich an.

Hooohooohooo.«

 

Normalerweise entlockte den Passanten allein der Anblick des überdimensionalen, fast 2,50 Meter großen plüschigen Koalas ein Lachen. Doch heute geschah nichts dergleichen. Selbst nicht nach einigen kurzen Tanzeinlagen. Zwar strömten die Menschen in Scharen herbei, aber nicht mit dem üblichen fröhlichen Ausdruck im Gesicht.

Ollie blinzelte. Das kleine, mit Gaze getarnte Guck- und Atemloch in Höhe der Bärenbrust schränkte seine Sicht ziemlich ein. Trotzdem war irgendetwas seltsam an den Schaulustigen. Sie gingen nicht normal. Stattdessen taumelten oder wankten sie mit unbeholfenen, eckigen Bewegungen herum. Als ob sie betrunken wären. Und es wurden immer mehr. Bald hatte ihn eine ganze Horde davon eingekreist. Sie stöhnten und ächzten. Und Ollie staunte. Die meisten sahen nämlich aus, als hätten sie schwere, bis schwerste Verletzungen davon getragen. Arme, Hälse, Schultern, auch die Gesichter wiesen zum Teil abscheuliche Wunden auf.

Mit einem Mal wurde ihm mulmig. Für einen Moment hatte er vermutet, in einen dieser Zombie-Walks gelandet zu sein. Die waren gerade groß und Mode. Aber die Fleischwunden, die er erblickte, wirkten verdammt echt.

Etwas zu echt für ein harmloses Spaß-Event.

Unter Ollies eigentlich heißem Kostüm machte sich Eiseskälte breit. Doch es war zu spät.

Plötzlich packte ihn jemand von hinten und riss ihn herum. Eine widerliche Fratze bleckte blutrot besudelte Zähne und schnappte nach seinem bepelzten Arm. Ollie schrie auf und schlug dem Irren mit einem der dicken, plüschigen Arme ins Gesicht. Doch der Schlag verfehlte seine Wirkung; denn die Energie wurde fast vollständig durch das umhüllende Kunstfell kompensiert. Der Angreifer biss beherzt zu und zerrte mit einem gehörigen Ruck einen Fetzen davon heraus.

Ollie schrie erneut. Ein schriller Mix aus Erschrecken, Entsetzen und spontaner Empörung. Das Kostüm war bloß geliehen! Verdammte Scheiße!

Mittlerweile bedrängten ihn immer mehr der seltsamen Gestalten.

Er brüllte los und trat mit seinen Koala-Füßen, schätzungsweise Schuhgröße 95, abwehrend um sich. »Lasst mich zufrieden, ihr seid ja völlig irre!«

Doch auch die Tritte verfehlten ihre Wirkung. Anstatt die Gegner schmerzhaft zu treffen, schien der dicke, weiche Plüsch sie zu umschmeicheln, zu streicheln, gar zu liebkosen.

»Mist!«

Zusätzliche Hände umfassten die tonnenförmige Bärengestalt, griffen nach deren Armen, Beinen und dem vorgewölbten weißen Bauch. Ollie keuchte, während er versuchte, aus der zunehmenden Belagerung zu entkommen, aber es wurden immer mehr.

Was für Verrückte!

»Hilfe! Ayuda me! Policia!!!«, kreischte er aus vollem Hals.

Währenddessen bissen, zerrten und rissen hunderte Zähne weiter an seinem Kostüm, als wäre er ein duftendes Würstchen und geradewegs in ein Rudel ausgehungerter Wölfe geraten.

Dann geschah das Unvermeidliche. Ollie verlor das Gleichgewicht und stürzte. Er und das ramponierte Koala-Kostüm, das gestern noch so viele zum Lachen gebracht hatte, prallten hart auf den grauen Asphalt.

»Hilfe!«

Ollie wurde endgültig unter einer zappelnden Masse an Leibern begraben. Deren Gewicht raubte ihm den Atem, es wurde dunkel und die Ohnmacht schlug zu.

Ein paar Schritte weiter johlte Mallorca-Klaus ungestört in Endlosschleife: »Ich bin sexy. Ich bin Mister Liebe, Mann!«

Zumindest so lange, bis einer der Untoten über den Ghettoblaster stolperte und das Gerät umstieß. Mit einem schrillen Kreischen verstummte die Musik. Danach war auf der Plaza de Espana nur noch eine Art vielstimmiges Stöhnen und Ächzen zu hören. Begleitet von diversen Schmatzgeräuschen.

Eine knappe Viertelstunde später, erhob sich ein riesengroßer, zerfetzter, blutbesudelter Plüsch-Koala ungelenk und stöhnend vom Boden. Langsam wankte er an dem nahe gelegenen Reiterdenkmal entlang, passierte gleichgültig mehrere ausgeweidete Leichen und folgte einer Schar Untoter, die lautstark in Richtung Innenstadt zog.

Ja, womöglich wäre für Ollie Schubert der Tag anders verlaufen - wenn er am Abend zuvor weniger getrunken hätte.

Womöglich.

Wir wissen es nicht.

 

 

Ende