ZOMBIES AUF MALLORCA - Outtakes: Mallorca-Klaus


Autor:  Damon Whitehead

Genre: Science Fiction, Horror

Format: E-Book (Short Story)

 

Überarbeitete Neuauflage 2018

 

Erhältlich bei Amazon, inkl. Kindle Unlimted

 

 

 


Klappentext:

 

Die neue Single "Ich bin geil, ich bin sexy", des aus Funk und Fernsehen bekannten Entertainers Mallorca-Klaus, verkauft sich schleppend. Er reist auf die belebte Partyinsel, um in der angesagten In-Kneipe "Bierhöhle" aufzutreten und den Song zu promoten. Doch schon als er den Fuß ins Flugzeug setzt, beginnt das Grauen. Bald hängt sein Überleben in der Zombiekalypse einzig von seinem klaren Verstand ab ...

 

Die haarsträubenden Erlebnisse des Sängers sollten ursprünglich in Teil 3 von "ZOMBIES AUF MALLORCA - Flucht aus Arenal" eingebunden werden. Dies war nicht möglich, ohne den Spannungsbogen zu stören. Deshalb gibt es nun die neue Reihe "OUTTAKES". Sie startet mit dieser Kurzgeschichte.

 

Band 4 der ZOMBIEKALYPSE NOW, überarbeitete Neuauflage

 

Hinweis: Alle Bände der Reihe ZOMBIEKALYPSE NOW können unabhängig voneinander gelesen werden.

Leseprobe: Kapitel 1 - Mallorca-Klaus landet

 

"Heilige Scheiße", murmelte der kleine Mann mit den schütteren Haaren und der Boxernase. So hatte er sich den Flug nach Mallorca nicht vorgestellt. Er saß eingezwängt zwischen angetrunkenen, grölenden und lausige Witze reißenden Idioten mit noch hirnrissigeren Papierhüten auf dem Kopf. Im Gegensatz zu den feiernden Schwachköpfen ging es ihm schlecht bis ganz übel. Dabei hatte das Angebot so vielversprechend geklungen: Kommen Sie nach Mallorca und singen Sie bei uns. Hoho.

Sein bescheuerter Manager trug die Verantwortung für den Deal. Er sah vor, dass er fünfmal in der "Bierhöhle" auftreten sollte, der angesagten Kellerbardisco in S'Arenal. Laut Aussage des Veranstalters verkehrten dort viele, viele und noch mal so viele seiner Fans. Erneut fragte er sich, warum er dem Gig zugestimmt hatte. Er bleckte die makellosen Zähne und schüttelte grimmig den Kopf. Er war jemand, nämlich "Mallorca-Klaus", und hatte es wohl kaum nötig, in einer Bierhöhle aufzutreten.

"Auch was haben?", lallte plötzlich der Spacko neben ihm und präsentierte stolz einen Flachmann aus Plastik. "Hab ich reingeschmuggelt", fügte er verschwörerisch hinzu und grinste unverschämt. "Na, wie isses?"

Doch Mallorca-Klaus bewegte kein Lid und verkniff sich eine Antwort. Worauf der Dummbatz mit seinen mickrigen Achseln zuckte und lautstark den Inhalt aus der kleinen Flasche saugte. "Aaah, gut." Dann rülpste der Penner und kicherte mit vorgewölbten Lippen wie eine 15-jährige Göre.

Ich hätte es wissen müssen, dachte Mallorca-Klaus.  Bierhöhle, Scheiße, gottverdammte.

"Aber Sie bezahlen dir sogar den Flug", hatte sein Manager jovial entgegnet.

Ja, sicher, allerdings keine Business-, sondern Holzklasse, umgeben von lauter bescheuerten Idioten. Mallorca-Klaus ballte die Fäuste so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten. Im Geiste schlug er seinem Manager frontal in die Fresse. Und dann noch mal. Und noch ein Mal. Schließlich sind aller guten Dinge drei ...

"Ich kenn´ Sie doch. Sinn Sie nich´ dieser Mallorca-Dingens?", brabbelte der Betrunkene unvermittelt weiter. "Ich bin´n großer Fan von ihn´n", eierte er mit dicker Zunge weiter. Dann grölte er völlig unmusikalisch los: "Ich bin geil!"

"Nein, bin ich nicht. Seien Sie still", zischte Mallorca-Klaus erschrocken.

Was, wenn nun die ganzen Vollpfosten auf ihn aufmerksam wurden? Nicht auszudenken.

"Ich bin sexy", rülpste der Idiot. "Ich bin Mister Liebe, M-a-aha-n-n ..."

Er packte den Typen am Kragen und zog ihn zu sich heran. Dann knurrte er wütend: "Ich bin nicht Mallorca-Klaus! Und hören Sie auf zu singen. Ich hab schreckliche Kopfschmerzen!"

"Oh", piepste der Angetrunkene entsetzt. "Ist ja schon gut. Ich kann sowieso nich singen. Hicks."

"Hey, steck´ doch endlich dieses dämliche Foto weg", nölte mehrere Reihen weiter vorne noch so ein Arschloch herum.

Mallorca-Klaus stöhnte und rieb sich die Schläfen. Womit hatte er das nur verdient?

"Mann, tut mir echt leid. Ich wollte Sie nich ärgern", lallte der Betrunkene, "aber das is´n Hammerlied. Auch wenn´s nich von Ihn´ is. Hipps."

Mallorca-Klaus verdrehte die Augen und verpasste seinem Manager im Geiste einen Kopfschuss, bei dem literweise Blut und Gehirnmasse durch die Gegend spritzten. Der ganze Schmodder lief in Strömen die Wände herab und überschwemmte das Managerbüro. Die Möbel, Akten, wartende Klienten und die Sekretärinnen wurden davongespült, hinaus in ein Meer aus Blut und Hirn. Mallorca-Klaus lehnte sich in den schmalen, unbequemen Sitz zurück und lachte meckernd.

"So schlimm sinn Ihre Schmerzn?", fragte der Betrunkene mitfühlend. Die Lider hingen ihm müde über die roten entzündeten Augen. Er sah aus wie eine heruntergekommene Version von Mutter Teresa mit Alkoholflecken im Gesicht. "Ich hatte auchma solche Schmerz´n. Scheiß die Wand an, tat das weh", wieherte er wie ein alter Wallach.

Mallorca-Klaus versuchte, die Flachpfeife zu ignorieren. Das gelang ihm schließlich blendend, als das Flugzeug ruckartig in den Sinkflug überging.

Die Landung verlief wie von einem dilettantischen Pilotenazubi vollzogen.

Aber was wollte man anders erwarten? Viel zu schnell und steil sackte die Maschine durch die geschlossene graue Wolkendecke und zog Fetzen von kondensiertem Wasserdampf hinter sich her. Mallorca-Klaus war einiges gewohnt, doch dieses Landemanöver toppte alle bisherigen schlechten Erfahrungen. Er biss die Zähne zusammen und bat den Gott des dritten Akkords ihm beizustehen, in der bitteren Stunde der Not und des vorzeitigen Todes. Dann setzte das Flugzeug bockend und heulend auf. Die Reifen quietschten ohrenbetäubend über den Asphalt. Plötzlich begannen die Idioten um ihn herum begeistert zu klatschen und manche lobten sogar die gelungene Landung.

"Auf Wiedersehen, der Herr. Hoffentlich fliegen Sie bald wieder mit uns", flötete eine der unattraktiveren Flugbegleiterinnen ihm am Ausgang zu.

hr schiefes Lächeln würde ihn noch in seinen Träumen verfolgen.

Bloß weg hier.

"Bestimmt nicht", knurrte Mallorca-Klaus böse und stapfte in den Gangwaytunnel, der gefährlich im Wind schwankte.

Der anschließende Weg zu Gepäckausgabe zog sich endlos hin. Mindestens 15 Kilometer, so schien es ihm.

Als er und die anderen Flugästen endlich das Gepäckkarussell erreicht hatten, fühlte er sich kaputt und verschwitzt bis auf die Knochen.

So eine Scheißhitze, dachte er. Auch das noch. Scheißflug, Scheißhitze, alles Scheiße.

"Kuck mal, der da. Das is Mallorca-Dingens. Ich bin geil ...", kicherte eine allzu vertraute Stimme.

Standhaft ignorierte er die witzelnde Bagage, die sich hinter ihm sammelte. Stattdessen begutachtete er nachdenklich die eigenen, makellos manikürten Fingernägel.

"Wo sind die Mädels?", tönte es von der anderen Seite. Einer der Idioten lief debil grinsend mit ausgebreiteten Armen in der Gegend herum. "Wo sind die Mädels?"

Die dazugehörigen blöden Kumpane lachten und balgten miteinander wie hirnverbrannte Teenie-Vollspackos.

Aus dem nächsten Urlaub in Russland sollte ich unbedingt eine Kalaschnikow mitbringen, dachte Mallorca-Klaus grimmig.

Dann wurden die Koffer und Gepäckstücke immer schneller ausgespuckt und ein aufgeregtes Durcheinander entstand. Die nüchternen Fluggäste hüpften wie aufgescheuchte Hühner hin und her und grapschten linkisch nach ihren Habseligkeiten, während die Angetrunkenen weiter blöde kicherten und grölten. Sie amüsierten sich schlichtweg über alles und jeden.

Mallorca-Klaus hatte den kleinen Koffer sofort im Blick, als der aus dem Loch in der Wand befördert wurde. Er trat vor und fischte nach seinem Gepäck.

Danach verließ er eilig das Flughafengebäude und hoffte, dass ihn draußen jemand von der "Bierhöhle" erwartete. Die Sonne brannte heiß auf seine Kopfhaut und stach ihm unangenehm in die Augen. Er setzte die neue, topmodische Sonnenbrille auf und blickte sich um. Überall bescheuerte Touris, grölende Torfnasen, alternde Jungfern und dickbäuchige Rentner. Zum Kotzen, ich hab das nicht nötig, befand er erbittert. Dann seufzte er. Doch, hab ich. Die Single läuft schleppend. Ich muss die Scheiße durchziehen, um das Ding zu puschen.

Rechts und links vom Ausgang lagen ausgedehnte Parkplätze, vollgestopft mit Bussen und anderem Kram. Direkt neben dem Mittellaufgang für Fußgänger standen jede Menge Taxis bereit. Und weiter hinten bildete das mehrstöckige Parkhaus mit seiner hässlichen, neomodernistischen Fassade den Abschluss der Flughafenanlage.

Dazwischen strömten tausende, abertausende Menschen von hier nach da und von da nach hier oder von hier nach dort. Es schien, als würde jedermann rastlos durch die Gegend eilen, ein riesiger Ameisenhaufen voller Flachpfeifen.

"Wo sind die Mädels?", brüllte eine heisere und ausgelassene Stimme in der Menge. Sehr witzig, du Arsch. Mallorca-Klaus verdrehte die Augen. Genau solche Vollpfosten besuchten seine Konzerte. Es war ausgemacht, dass man ihn am Flughafen abholte und zum Hotel brachte. Doch er sah niemanden, der ihn suchte, oder gar ein Schild mit seinem Namen hochhielt. Mallorca-Klaus trat ein paar Schritte vor und blickte wütend über die Köpfe der herumwuselnden Urlauber. Wenn das so weiter geht, dann gute Nacht.

Während alle Anderen von irgendwelchen Reiseleitern eingesammelt wurden, stand er bloß herum wie bestellt und nicht abgeholt. Bravo! Ich bin der Allergrößte

Die akademische Viertelstunde verfloss, aber es änderte sich nichts. Lautstarkes Geschnatter und Gelächter malträtierte seine Ohren und ihm wurde langsam schlecht. Plötzlich vibrierte das Handy in der Hosentasche.

Grunzend fischte er es heraus und zischte ein eisiges: "Was?" ins Mikrofon.

"Hallo ...", hörte er noch, dann rempelte ihn jemand grob von hinten an.

Erbost drehte er sich um, sah aber nur noch einen flüchtenden Schatten. Einen Schatten mit seinem Smartphone! Man hatte es ihm gestohlen! Direkt aus der Hand, die er noch immer ans Ohr hielt.

"Hey!", rief er und wirbelte im Kreis herum. "Verdammte Scheiße!", brüllte er und ballte wütend die Fäuste.

Dann wollte er nach seinem Koffer greifen, den er bloß kurz abgestellt hatte, um dem Dieb hinterher zu schimpfen. Aber da war kein Koffer mehr!

Entgeistert starrte er hinunter auf den Boden. Die Steinfliesen waren übersät mit eingetretenen Kaugummis und Zigarettenkippen, aber kein beschissener Trolley weit und breit. Der Verzweiflung nahe hob er den Kopf und streckte flehentlich die Arme in die Luft. Dann sank er langsam auf die Knie. Scharen von Urlaubern flossen um ihn herum, wie um einen Felsen in einem reißenden Fluss.

Niemand kümmerte sich um den weinenden Mann ...

 

Hinweis: Alle Bände der ZOMBIEKALYPSE NOW können unabhängig voneinander gelesen werden.