Titel:  ZOMBIES AUF MALLORCA - Teil 3: Flucht aus Arenal

Autoren: Damon Whitehead, Jutta Wiese

Formate: E-Book, Taschenbuch 

Genre: Science Fiction, Horror

  

Überarbeitete Neuauflage 2018

 

Ab Mitte November 2018 als  E-Book bei Amazon erhältlich, inkl. Kindle Unlimited.

 


Klappentext:

 

Mallorca im Würgegriff der lebenden Torten! Während das aggressive Virus immer größere Kreise zieht und die Insel endgültig in der blutgetränkten Zombiekalypse versinkt, kämpfen Harro, Tank, Lisa, Schrippe, Jürgen und Co. weiter ums nackte Überleben. Ein ungleicher Kampf, der die Protagonisten an ihre körperlichen und seelischen Grenzen bringt und manch harmlosen Touristen zum gnadenlosen Helden wider Willen mutieren lässt. 

 

 

Leseprobe: Kapitel 1 (komplett) - Friede, Freude ... und trotzdem kein Eierkuchen

 

Sicherheit. Endlich. Wir mussten keine Angst mehr haben, nicht mehr flüchten und uns verstecken, nicht mehr kämpfen und töten. Und nicht mehr sterben. Wir waren in Sicherheit und lebten.

Kaum zu beschreiben, wie ich mich fühlte. Geborgen? Zufrieden? Frei? Unbeschwert? Oder einfach nur glücklich?

Ich blickte hinaus in die Dunkelheit und sog die frische, unverbrauchte Nachtluft in mich hinein. Fast wie ein Ertrinkender. Kein ekelerregender Fäulnisgestank mehr, stattdessen der liebliche Duft nach Pinien und Jasmin. Meine Lungen pfiffen dankbar das Hohelied der Glückseligkeit.

Es glich einem Wunder, dass wir die Hölle von S'Arenal überlebt, und Zuflucht hinter diesen turmhohen dicken Klostermauern, hoch oben auf einem schwer zugänglichen Berg gefunden hatten.

Das ganze Elend der Zombiekalypse blieb außerhalb. Nur kurz dachte ich an die Katastrophe in unserem Hotel zurück. Jetzt, wo wir uns in Sicherheit befanden, verdrängte ich die furchtbaren Details nach Kräften. Erstaunlich, wie schnell man nach einem derartigen Chaos wieder in ein relativ geregeltes Leben zurückfinden konnte.

Seufzend lauschte ich der friedvollen Stille. Nur gelegentlich erklang der schrille Schrei eines Kauzes, der im Tal seine Kreise zog.

Ich wandte mich langsam um, hin zu Lisas warmem Körper. Sie schlief auf dem Bauch, friedlich und geborgen. Meine Hand glitt sanft über ihre Schulter. Die seidige Haut wirkte erregend und ihr Haar duftete verführerisch. Ich berührte es mit den Fingerspitzen, drang zu Lisas Nacken vor, erfühlte ihn und zeichnete von dort aus die Rundungen ihres Rückens nach - bis hinab zu ihrem phänomenalen Po.

Der Kauz schrie nunmehr vor dem Fenster. Lisa bewegte ihr Becken, als ich sie zärtlich zwischen den Beinen streichelte. Sie schnurrte und drehte den Kopf zu mir.

»Harro«, hauchte sie und stöhnte leise.

Ich rückte näher und sog den Duft ihrer Haut förmlich in mich auf. Lisas Hand tastete über meinen Bauch.

Keuchend presste ich mich an sie.

Heiliges Kanonenrohr, dachte ich. Doch »Uh« war der einzige Ton, den ich hervorbringen konnte. Und bevor ich durch irgendeine Dummheit alles verdarb, ergriff sie die Initiative und wir liebten uns leidenschaftlich.

»Aufwachen!«, schrillte da eine Stimme und klang fast wie ein Drillbohrer. »He, ihr Beiden, a-u-f-w-a-c-h-e-n!«

Etwas rüttelte überschwänglich an meinem Arm, schüttelte ihn wie ein untalentierter Barmixer.

»Was ...«, nuschelte ich schlaftrunken und drückte den Rüttelarm ärgerlich von mir weg. »Was soll das?« Gequält schlug ich die Augen auf und sah … »Scheiße! Verdammt noch mal!«, schrie ich entsetzt.

Nur wenige Zentimeter entfernt grinste mir Dralle ins Gesicht. Die grobporige Oberfläche seiner Haut sprang mich an wie die Kraterlandschaft des Mondes.

»Herrgott noch mal, hast du mich erschreckt!« Ich schob die dünne Decke zur Seite, verpasste ihm einen derben Knuff und stieß ihn von mir weg.

»He, was ist passiert?« Lisa hob ihr hübsches Antlitz aus dem eingedrückten Kissen. Als sie Dralle erkannte, grinste sie über beide Ohren. »Oh nein ...«, murmelte sie immer noch lächelnd und vergrub ihren Kopf wieder in das weiche Bettzeug.

»Aufstehen, ihr Turteltäubchen. Sonst gibt’s keine Brötchen mehr.«

»Schon gut.« Müde fuhr ich mir durch die frisch gewaschenen Haare. »Wir kommen. Eine Minute ...«

 

Als Lisa und ich schließlich den Frühstücksraum betraten, war der natürlich fast leer. Die meisten Menschen, die hier im ehemaligen Kloster lebten, hatten bereits vor Stunden gegessen.

Ich zuckte mit den Achseln.

Wir setzten uns ans Fenster zu Dralle, der mit der x-ten Tasse Tee auf uns wartete.

»Schön, dass du da bist«, nuschelte ich unsicher in dessen Richtung und verspürte urplötzlich eine seltsame Melancholie.

Im Überschwang der Gefühle packte ich meinen alten Freund und umarmte ihn so fest, es ging. Zwei Tränen, die mir dabei entwischen wollten, konnte ich gerade noch rechtzeitig zerdrücken - bevor sie jemand zu Gesicht bekam.

Dralle wusste mit diesem Gefühlsausbruch kaum etwas anzufangen. Er lachte verlegen auf.

»Du weißt, dass ich dich liebe, oder?«, grummelte ich derweil an seiner Brust.

»Ho, Alter. Was ist los? Hast du heute früh einen gezwitschert?« Er klopfte mir freundschaftlich auf den Rücken.

»Nein Bro, ich vermiss´ dich einfach«, schniefte ich.

»Lisa, nimm mir den rührseligen Idioten mal ganz schnell ab. Das ist ja nicht auszuhalten. Ich verschwinde. So lange, bis der Spasti wieder bei Sinnen ist.« Dralle schob mich mit spitzen Fingern weg, erhob sich vom Stuhl und eilte davon, bevor ich es verhindern konnte.

Lisa drückte mir zum Trost ein frisch geschmiertes Butterbrot in die Hand. »Hier, iss. Mit vollem Magen geht’s bergauf.«

Vermutlich hatte sie recht. Im unterzuckerten, hungrigen Zustand litt ich offensichtlich an Trennungsängsten. Sowie Halluzinationen.

Ich blickte aus dem Fenster und Lisa tat es mir gleich. Von hier oben konnte man fast die ganze Insel überblicken. Eine wirklich grandiose Aussicht, doch auch ein trügerischer Anblick.

Eine Weile später, nach einem ausgiebigen Frühstück und mehreren Bechern Kaffee, ging es mir wesentlich besser. Ich empfand Dankbarkeit. In diesen Zeiten einen guten Kaffee zu bekommen, grenzte an ein Wunder, aber das Gesöff im Kloster schmeckte einfach rattenscharf.

»Lass uns nachher zur Klippe spazieren, picknicken«, schlug ich gut gelaunt vor.

Draußen lachte die Sonne. Warum also nicht? Vielleicht konnten wir uns nebenher in ein Gebüsch verdrücken und ein bisschen fummeln. Das wär´ dufte. Ich grinste in mich hinein.

Lisa blickte liebevoll über ihre dritte Tasse Kaffee hinweg und erwiderte mit betörender Stimme: »Prima Idee.«

Mir jagte eine ausgewachsene Gänsehaut den Rücken hinunter. Unfassbar, was für ein Glück ich hatte.

 

Hand in Hand spazierten wir zwei Stunden später ausgetretene Pfade entlang und suchten den perfekten Picknickplatz. Der gefüllte Korb in meiner Hand schwang fröhlich hin und her, als ich gekonnt ein paar herumliegende Felsbrocken übersprang. Dann entdeckten wir ein schönes, beschaulich-schattiges Plätzchen. Inmitten von Geröll, wildem Oleander und niedrigen Olivensträuchern ließen wir uns nieder. Wir aßen, lachten und irgendwann fielen mir die Augen zu.

 

Ein dürrer, langer Grashalm kitzelte meine Nase. Der Wind bewegte ihn hin und her, auf und ab. Als es mir zu bunt wurde, scheuchte ich ihn schläfrig zur Seite. Doch nur wenige Sekunden später, schwang er keck zurück und fummelte erneut an beiden Nasenlöchern herum. Wieder schob ich das freche Ding weg, um es kurz darauf abermals im Gesicht zu finden. Insgesamt fünf Mal ließ ich mir das renitente Verhalten gefallen. Dann rupfte ich das verdammte Stück aus und warf es auf den Haufen - zu den vorherigen nervigen Grashalmen.

»Schön hier, was?«, fragte ich danach und sah hoch. Mein Kopf lag behaglich gebettet in Lisas Schoss. Mit offenem Mund bestaunte ich deren vorgewölbten Brüste.

Lisa strich mit den Fingern durch meine immer noch frisch gewaschenen Haare. »Ja«, flüsterte sie.

So glücklich hätte es stundenlang weitergehen können, aber Pustekuchen. Die Natur in Form meiner mit literweise Kaffee gefüllten Blase, befahl mich irgendwann ins Gebüsch.

»Sorry, ich muss mal kurz für kleine Panther«, meinte ich zu Lisa und stand widerwillig auf.

Der Drang drängte äußerst drängend. Die Hände hart in den Schritt gedrückt, hastete ich davon. Auf der anderen Seite des Gipfelplateaus war endlich die richtige Stelle zum Wasserlassen gefunden. Ich zog eiligst mein Endstück aus der Hose und ließ es laufen, sprudeln, spritzen, zischen, blubbern, gurgeln. Ein unglaublich befreiendes Gefühl, einfach in die Natur zu pinkeln.

Der Wind blies leicht in den Hosenschlitz und die Sonne wärmte die empfindliche Haut. Ich seufzte genüsslich, schloss die Augen und breitete die Arme aus. So stand ich für ein paar Minuten am Rand des Berghanges. Ich bin der König der Welt, sinnierte ich gleichzeitig grinsend. Mir ging es einfach hervorragend, so gut, wie lange nicht mehr.

Plötzlich tastete etwas an meinem Unterschenkel herum.

Spontan dachte ich an einen weiteren, aufdringlichen Halm. Oder den vorwitzigen Ast eines nahestehenden Busches.

Lächelnd und leicht entrückt blickte ich an mir herunter.

Doch da war kein Ästchen, auch kein anderes freches Pflänzchen, das mir verlangend übers Schienbein strich.

Nein! Auf meiner Haut lag die verfaulende Hand eines Untoten und schimmerte schwärzlich-blau im Sonnenlicht!

»Uäääääh!«, kreischte ich entsetzt und vollführte einen gewaltigen Satz rückwärts. Dabei blieb ich mit der Hacke an einer herausragenden Wurzel hängen und stürzte mit Wucht in einen ausladenden Oleanderstrauch.

»Scheiße«, quietschte ich vor Schmerz, als ich mit dem Rücken voran gegen die armdicken Stämme prallte. Harte Äste stachen in meine Weichteile und peitschten mir ins Gesicht, bis ich benommen zusammensackte. Verwirrt und geradezu hilflos, fuchtelte ich mit den Armen, um aus dem wirren Gebüsch zu gelangen.

Doch beide Hände bekamen nur Blätter und dünnes Holz zu fassen, sodass ich mehrmals zurückfiel.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis ich mich endlich aufgerappelt hatte. Hastig betätigte ich den Reißverschluss der noch offenen Shorts und stand vor Angst schlotternd in der Gegend herum.

Da vorne lauerte ein Stinker! Und wo einer krauchte, existierten im Normalfall weitere.

Ich holte tief Luft und schlich langsam zu der Stelle hinüber, wo die Hand zugepackt hatte. Dort beugte ich mich vor, um besser sehen zu können. Der Zombie von eben schien weiter gekrochen zu sein, aber das, was ich nun stattdessen erblickte, erschütterte mein Nervenkostüm aufs Übelste. Ein erschrockenes »Verdammte Scheiße!« war alles, was ich zustande brachte und meine Stimme klang rauh. Das Kloster befand sich auf einem Berg, im Inselinneren. Bis jetzt waren wir der Überzeugung gewesen, hier oben sicher zu sein. Pustekuchen, ein absoluter Trugschluss. Fassungslos blickte ich über den Rand der nahegelegenen Kuppe.

Unzählige Untote dominierten das Bild, erklommen auf abartige Weise den felsigen Berghang. Einem gewaltigen Tsunami gleich, wogten sie herauf, Tausende, Zehntausende, Hunderttausende, einfach unüberschaubar. Wie eine einzige wimmelnde Flut drängten sie gegen umliegendes Gestein und wälzten sich unbeholfen die Steigung hoch. Kletternd, kriechend, schiebend, über-, unter- und ineinander. Selbst die mallorquinische Ebene, bis hin zum Inselufer, schien von Untoten übersät zu sein. Unfassbar!

Bald würden die ersten von ihnen das Plateau erreichen. Was bedeutete: Alle hier oben befanden sich in unmittelbarer Lebensgefahr!

Harro, schlag Alarm, sofort, signalisierte mein Überlebensinstinkt. Doch für einen Augenblick reagierte mein Körper wie gelähmt. Der Anblick der wandelnden Leichenmassen stellte das pure Grauen dar. Und dann hörte ich es; das Stöhnen, das Ächzen und all die weiteren entsetzlichen Laute, die die Monster von sich gaben. Ein einziges, grauenhaftes Totenlied.

Die furchtbaren Geräusche brachten meine Gliedmaßen endlich in Bewegung. Zitternd und taumelnd wich ich zurück, Schritt für Schritt, den Abhang dabei fest vor Augen. Weiter Harro, geh einfach weiter zurück. Meine Füße befolgten den Befehl wie in Trance, aber erst als das widerliche Gewimmel langsam aus meinem Sichtfeld verschwand, funktionierte auch der Rest meines Verstand etwas klarer.

Zu Lisa, Harro, du musst zu Lisa ... .

Der ultimative Startschuss. Ich rannte los. Fast so, als wären die Zombies schon oben angelangt und hinter mir her.

»Lisa! Steh auf, schnell!«, schrie ich noch während des Laufens mit schriller Stimme. Doch niemand antwortete. Und auch, als ich kurz darauf unseren Picknickplatz erreichte, war sie nirgendwo zu sehen. Verdammt! Wo steckte sie?  »Schatz?« Ich hetzte weiter. »Lisa?« Unaufhaltsam kroch mir die Panik in alle Knochen. Dann entdeckte ich sie; hinter einem gewaltigen Feigenkaktus, dessen flache, ovalförmige Arme ausladend in die Höhe und zur Seite wuchsen. »Lisa?«, rief ich zitternd. 

Sie hörte meinen Ruf, taumelte aus dem Schatten des Stammes heraus und kam mit schlurfenden Schritten näher.

»Was? Nein!«, brüllte ich wie von Sinnen, bevor ich entsetzt zurückwich. Welch schrecklicher Anblick!

Die Frau, die ich vor Stunden noch geliebt hatte, streckte mir ihre klauenartig verformten Hände entgegen und öffnete schmatzend den Mund. Aus einer frischen Bisswunde am Hals quoll träge dunkles Blut. Ihre sonst so weichen, braunen Augen wirkten starr und leblos.

Spontane Tränen rannen mir die Wangen hinab. »Oh, nein, bitte nicht  ...«, schluchzte ich.

In der gleichen Sekunde wurde ich grob gepackt. Von hinten. Kräftige Zähne gruben sich in meinen Oberarm und ein Untoter riss mit einem kräftigen Ruck seines Kopfes ein Stück Fleisch heraus. Ich brüllte vor Schmerz und drehte mich reflexartig zur Seite, um den Angreifer wegzustoßen. Fassungslos blickte ich in das vor Gier triefende Gesicht des Zombies. Dralle!  Es war Dralle!

Aber was noch schlimmer war: Nur wenige Meter entfernt, tappten bereits Schrippe, Tank und Karen heran. Mit ungelenken Schritten und ebenfalls zu gefräßigen Stinkern mutiert!

»Was zum Teufel ...?«

Dralle schlug erneut die Zähne in meinen Körper, diesmal in den Hals. Mein Hirn explodierte vor Schmerz. Benommen sank ich auf die Knie. Wie durch einen Schleier sah ich, wie auch Lisa linkisch näher tapste. Nun packte sie mit erstaunlich festem Griff meinen rechten Arm und senkte den Kopf. Aus ihrem Mund tropfte ein widerwärtiges Speichel-Blut-Gemisch. Einfach abartig!

Dann biss sie in mein leicht gebräuntes Fleisch. Nur Sekunden später folgte Tank und grub das Gebiss in die noch unverletzte Schulter. Dicht gefolgt von Schrippe, der mir grob das Fleisch vom Rücken kratzte und Karen, die die spitzen Nägel ihrer Knochenfinger in meinen Unterleib stieß, als wäre er ein Teigstück,  und wild fauchend darin herumwühlte.

Unsägliche Qualen übermannten mich und ich schrie, schrie und schrie … bis … .

»¡Caballero! Despierta! Vamos!« Endlich drang die laut rufende Stimme der Spanierin zu mir durch.

Schweißgebadet, mit einem widerlichen Geschmack im Mund, schreckte ich hoch. Aus dem wohl übelsten Albtraum meines bisherigen Lebens!