Liebe, Luxus & Laternen


Autor: Jutta Wiese

Genre: Funny Romance

Format: E-Book, Taschenbuch (200 Seiten)

 

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E-Book: Amazon, Thalia, Hugendubel, bod, Weltbild

Taschenbuch: epubli, Hugendubel, Amazon


Klappentext:

 

Einzelhändlerin Julia (34), leicht mollig, aber weitgehend fältchenfrei, führt ein beschauliches Dasein in der rheinischen Tiefebene. Umgeben von verrückter Kundschaft, einem blasenschwachen Hund, der besten Freundin sowie ihrem lustlosen Lebensgefährten, vergeht die Lebenszeit fast wie im Flug. Frei nach dem Motto: Alles passt, auch wenn es wackelt ...
Doch leider nur bis zu jenem verschneiten Februartag, an dem ihr das Schicksal einen vermummten Weltstar vor die Füße wirft. Von diesem Moment an ist nichts mehr wie es war und eine temporeiche Liebesgeschichte nimmt ihren (selbstverständlich) unvermeidlichen Lauf!

 

Warnhinweis: Diese Liebeskomödie enthält keine ausufernden Sexszenen in Endlosschleife oder Gossensprache, dafür Situationskomik, witzige Dialoge, Humor und Romantik. Bitte nur lesen, wenn Sie das ohne bleibende Schäden verkraften können.

 

 

Leseprobe: Auszug aus Kapitel 7 (Donnerstag)

 

Gegen 01.08 Uhr fühle ich mich wie ein Schnitzel, das man stundenlang durch klebrige Panade gewälzt hat.

Viel Tiefschlaf bedeutet Schönheit.

Kaum Tiefschlaf bedeutet rapide Gesichtsalterung und geistige Ausfallerscheinungen. Rote, geschwollene Augenlider, Krähenfüße, Tränensäcke! Ergänzt von gestammelten Halbsätzen! Nur das nicht! Gnade!!!

Panade, Panade, Panade.

Punkt 02.23 Uhr gelingt das bereits unmöglich Geglaubte, doch der friedvolle Zustand hält nicht lange vor.

Bereits eine Stunde später schrecke ich herzklopfend auf. Aus dem Dunkel heraus glühen die Augen eines entsetzlichen Ungeheuers! Bebend taste ich nach dem Lichtschalter und die rettende Glühbirne erhellt das Zimmer.

Mischlingsrüde Wölfchen, knapp mittelgroß und keineswegs furchterregend, hockt zirka zwanzig Zentimeter entfernt vor dem metallenen Bettrand. Flehentlich blickt er mich an, winselt leise und streckt eine Vorderpfote in die Luft. Geplagten Hundebesitzern rund um den Globus, dürfte diese Geste bekannt erscheinen.

Unflätig vor mich hinfluchend, schlüpfe ich in eine uralte, labbrige Jogginghose. Über den Oberkörper stülpe ich ein Sweatshirt mit einem überaus passenden Aufdruck: Sweet Dreams.

Warum nur muss den dummen, dicken Hund ausgerechnet heute Nacht eine Blasenschwäche ereilen? Absicht oder Zufall?

Endlich vom Gassigehen in eisiger Nacht zurück, bleiben erfreulicherweise noch knappe vier Stunden unruhigen Dösens.

Pünktlich um 06.40 Uhr rasselt der Wecker.

Fuck! Das ist einfach nur grauenvoll!

Aber einen Star wie Ken Berger lässt man nicht warten!

Dem ersten Blick in den Badezimmerspiegel folgt ein unterdrückter Schrei. Hilfesuchend greife ich zu diversen chemischen Keulen. Ich hoffe, sie wirken. Laut Werbetext haben die bedauernswerten Wissenschaftler des Hauses Chanel  immerhin lange quälende Jahre benötigt, um den Inhalt jener luxuriösen Tiegel zu entwickeln. Nun ja, heute wird sich zeigen, ob die Damen und Herren ihr lächerliches Forschergehalt zu Recht verdient haben.

Oder auch nicht.

Achtundvierzig stressige Minuten später verlasse ich das Bad. Mit zufriedenstellendem Ergebnis.

Weiter geht’s zum gut gefüllten Kleiderschrank.

Dort warten: knielanger, enger schwarzer Rock (neu), sportive braune Rindslederstiefel (neu), anthrazitfarbenes Twin-Set mit Kaschmiranteil (neu), halblanger, hellbrauner Wollmantel (neu), sowie eine große, nougatfarbene Tasche (neu). Sportliche Eleganz für den lächerlichen Preis eines halben Monatseinkommens (brutto). Man gönnt sich schließlichsonst nichts … .

Letztendlich vollführe ich einige Pirouetten vor dem ahnungslosen Flurspiegel. An den selig schlafenden Maik denke ich nur kurz. Wozu auch? Dummer Ignorant.

Kurz darauf fällt die Haustür ins Schloss und mein betagter roter Golf rollt los.

Ob 350,- Euro Taschengeld für einen Ausflug mit Germany's Godfather of Tennis reichen? Beinahe ramme ich einen vor mir herfahrenden Linienbus, doch ich kann nicht aufhören zu grübeln. Wohin wird die Reise gehen?

Als ich Julias Steinwelt erreiche, ist es 08.45 Uhr.

Genügend Zeit, nervös auf und ab zu stolpern, den unversehrten Sitz der Wimperntusche zu prüfen, sowie ein weiteres Mal Wachs ins Haar zu kneten.

Um 08.55 Uhr hocke ich reglos auf dem Stuhl hinter der Kasse. Stillsitzen und lässig wirken, lautet die Devise. Dabei bekomme ich vor Anspannung kaum Luft!

09.02 Uhr: Von meinem Galan fehlt jede Spur.

09.03 Uhr: Immer noch nichts! Unbegreiflich!

09.04 Uhr: Ich trete hinaus aufs Troittor und prüfe unauffällig, ob verdächtige Großraumlimousinen die Straße bevölkern. Außer der Sperrmüllabfuhr ist jedoch nichts zu erblicken.

09.09 Uhr: Vollends irritiert und schwankenden Schrittes, mache ich mich daran, den geliebten, saftig grünen Glücks-Bambus zu gießen. Während ich mich bücke, den kaum abgespeckten Hintern unvorteilhaft Richtung Eingang gereckt, klopft es hinter mir.

Laut und energisch.

Oh Schreck!

Die Gießkanne fällt zu Boden. Ihr Inhalt verteilt sich schwappend und spritzend über den neuen Rock. Auch der Teppich wird literweise in Mitleidenschaft gezogen.

Welch Desaster!

Hektisch über die nasse Kleidung reibend, erreiche ich den Eingang. Doch draußen steht kein Ken. Es ist Frau Heck!

Wie von selbst, starten meine Zahnreihen knirschende Mahlgeräusche.

»Aber aber, Frau Schaub! Es ist bereits nach Neun! Viel zu spät, meine Liebe«, hallt deren nervige Stimme in den Raum, noch bevor der Türspalt zentimeterweit geöffnet ist.

»Frau Heck!«, unterbreche ich sie derart barsch, dass ein Zucken über ihre Wangen fahrt. »Können Sie lesen?!?«

Ihre Mimik lässt vermuten, dass sie es nicht kann. Trotzdem nickt sie bejahend mit den Kopf.

»Sehr gut! Dann checken Sie das hier!« Mein Zeigefinger tippt auf das gut sichtbar angebrachte Türschild. Jenes trägt die Aufschrift: Donnerstag, den 16.02., bleibt das Geschäft aufgrund dringender Familienangelegenheiten geschlossen.

Während Frau Heck noch liest, schließe ich beherzt die Glastür. Direkt vor ihrer Nase. Fassungslos starrt sie mich an. Sicherlich denkt sie nun, sie habe wieder einmal einen Freund verloren. Irrtum! Freunde waren wir nie.

Das Telefon klingelt. Anlass für drei weitere, hechtähnliche Sätze meinerseits. Es ist Berger und der Empfang mehr schlecht als recht.

»Julia?! Ich darf doch Julia sagen, oder?«

»Klar doch. Und umgekehrt?«

Das Rauschen in der Leitung ist unsäglich laut und plötzlich beseelt mich die böse Vorahnung, dass er unser Treffen canceln will. Ein kleines Vermögen für Kleidung und Kosmetik wäre umsonst verschleudert! Plus 10,45 Euro fürs Aspirin. Nicht umsonst sagt man mir nach, ich besäße ein Gedächtnis wie ein Elefant ...

»Natürlich darfst du Ken sagen« , antwortet Berger da. Und keine Angst! Ich sage nicht ab.«

Ohne Frage: Der Mann kann hellsehen.

»Es gibt keinen Parkplatz in deiner Straße. Gerade kreuze ich zum achten Mal ums Rathaus«, schreit er in den Hörer.

Simultan fällt mir ein Steinbruch vom Herzen.

»Kein Problem! Ich warte einfach draußen. Dauert keine zwei Minuten!«

»Okay, ich mach mich auf den Weg. Übrigens, es ist ein silberfarbener Mercedes, E-Klasse.«

»Klar, ein rostiges Wrack ... Was sonst?« Lachend werfe ich das Telefon beiseite.

E-Klasse! E wie einzigartig, E wie erlesen, E wie einfach edel. Noch schnell ein paar Küchentücher auf den Teppich geschmissen und nichts wie raus hier. Die stummen Schreie des Glücks-Bambus, der sich um seine Wasserration betrogen fühlt, entgehen mir leider in der Eile.

Bald darauf biegt eine glänzende Limousine ums Eck.

Mein Herz vollführt einen Satz. Spiel, Satz und Sieg?

Langsam nähert sich das noble Gefährt.

Bereits von Ferne ist erkennbar, dass der Fahrer Mütze und Sonnenbrille trägt. Berühmt zu sein, muss auf Dauer dem Sehvermögen schaden. Sowie dem Sitz der Frisur.

Das edle Promigefährt stoppt in der Straßenmitte.

Ein wenig ungelenk reiße ich die Beifahrertür auf, werfe mich hinein und versinke augenblicklich in butterweiche Lederpolster. Um nicht auszusehen wie eine labbrige Bratwurst mit Pelle, ziehe ich hastig den Bauch ein.

Dann lege ich los: »Sieh an, mal wieder eine RayBan! Fahren wir in den sonnigen Süden, Paella und Co.?«

Erleichtert, mit dieser Flapsigkeit einen Teil meiner anfänglichen Nervosität überspielt zu haben, werfe ich Berger ein charmantes Lächeln zu.

Der hebt kurz die Brille an und tut es mir gleich.

Gut sieht er aus. Zu gut. Zum Schlechtwerden!

»Ich freu mich auch, dich wiederzusehen.« Seine Stimme hat einen ausgesprochen warmen Klang.

Verdammt! 1 : 0 für den geprüften Womanizer ...